Mehr Licht!

Kategoriearchiv 'Archaic'

16.05.07

Archaic Photo

Archaic, Photos, Privat, Soul & Mind

Historisches Material, ausgegraben, gereinigt
(soweit möglich), poliert (ohne die Patina zu entfernen) und mit
Zettelchen über den Fundort, das Jahr und sonstigen Kram bedacht.

Das Dumme ist: Ich bin mir gar nicht mehr sicher, mit welcher Kamera ich diese Bilder gemacht habe. Ich vermute jedoch, es muß eine Bilora Bonita gewesen sein.

Von Links nach rechts:Manahmana,Tante Rina,Task77,Marie und Scissabob

13.05.07

Archaic: Barbados 1999 (pt.2)

Archaic, Photos

Fortsetzung von :Archaic: Barbados 1999 (pt.1)

Bei all dem Reggae-Tourismus und dem Gefühl auf einem göttlichen Kleinod gelandet zu sein, kann es natürlich nicht schaden, auch mal die architektonischen Kontraste der Insel genauer zu betrachten. Ganz logisch gibt es auf Barbados ähnliche Hotelbauten, Bettenburgen und Clubs wie überall auf der Welt, allerdings nicht ganz in dem überdimensionierten Ausmaß, wie man es z.b. von Mittelmeerbadeorten gewohnt ist.

Ich lasse das Thema mal frechweg aus, denn man kann diesen Hotels entgehen. Und wenn man es wirklich will, dann begegnet man ihnen eher selten. Die Insel bietet genug Raum und Platz um auch unverbaute Strände zu finden. Menschenleer ist keine leere Versprechung aus einem Reisekatalog. Das gibt es wirklich.

Das soll allerdings nicht den Blick darauf versperren, dass das Leben in dieser üppigen Fauna für jene Menschen, die nicht die Nachkommen der ehemaligen Farmer sind, alles andere als einfach ist. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt in Behausungen, die hierzulande gerade mal als Gartenhütten akzeptabel wären.

Auch wenn es aussieht, als stamme diese Wohngelegenheit irgendwo aus dem Randgebiet eines vergangenen Jahrhunderts, handelt es sich nicht um ein rückständiges Land, an dem technologische Errungenschaften irgendwie vorbeigegangen sind. Barbados hat – auch bedingt durch den internationalen Flugverkehr (und hier vor allem durch die Concorde) – einen recht guten Anschluss an die Errungenschaften der modernen Welt gefunden und befindet sich dabei in einem Spagat zwischen einer Gesellschaft, die sich alles leisten kann und einer, die von diesen Dingen nur träumt.

In jenen Wochen, in denen wir dort waren, besuchten wir verschiedene Internetcafes, von denen eines in einer wirklich eisig klimatisierten Einkaufspassage geführt, und rund um die Uhr mit den neusten MP3-Hits beschallt wurde. Die Ausstattung entsprach all dem, was ich von daheim gewohnt war, und innerhalb der Kälte vergass man total, an welchem Ende der Welt man sich hier befand, denn nichts erinnerte an das, was sich draußen vor der Stadt oder auf den Straßen abspielte. Kein Geschrei der anpreisenden Taxifahrer drang herauf, kein Gewirr der Händler, die einem überteuerte Trauben anboten und auch die Reggaecassetten der streunenden Rastas waren nicht zu vernehmen. Rock, Pop, die aktuellen Top-Twenty, der weltweiten Charts und ein Publikum, das sich gewohnheitsmäßig durch die Seiten klickte.  Das war im Jahre 1999 zwar in Amerika und Europa üblich, aber selbst viele Jahre später habe ich auch in den Staaten wesentlich rückständigere Cafes gefunden, und auch in Deutschland habe ich  heute noch die Gelegenheit in Läden zu gelangen, die eher Bedauern hervorrufen.

Die kleine Tochter unserer Gastgeber hatte einige Jahre zuvor Deutschland besucht und – ich erwähnte es schon – nur darüber gestaunt, das die Tankstellen in einem ähnlichen Design und einer ähnlichen Größe wie in Barbados an unseren Straßenrändern standen.

Tankstellen haben auf Barbados eine Art 24-Stunden Grundversorgung übernommen. Das ist zwar nicht ungewöhnlich und wir sind das mittlerweile hier gewohnt rund um die Uhr mal schnell zur Tanke zu gehen. Es macht aber einen ganz anderen Eindruck, wenn man diese neonbeleuchteten Riesendinger in direkter Nachbarschaft zu den traditionellen Kneipen und Kiosken sieht.

Die meisten kleinen Geschäfte an den Haupt- und Nebenstrassen tragen an der kompletten Fassade das Design eines Getränkelieferanten. Wegen der Hitze sind bei diesen Gebäude jedoch tagsüber die Fassaden so geschlossen, das sie oft wirken, als wären sie nicht geöffnet. Drinnen trifft man einen Tresen an, der durch Gitter geschützt ist, hinter denen dann der Ladenbesitzer verharrt. Das wirkt irritierend, aber scheint vor allem mit Alkohlausschank durchaus normal zu sein.

Dieser farbenfrohe Charakter verstärkt natürlich den, sagen wir mal, pittoresken Eindruck der ganzen Szenerie, aber im Prinzip steckt dahinter lediglich die ständige Notwendigkeit jedes Jahr das Holzhaus neu zu streichen. Kennt man ja aus vielen Orten, die sich an Küstennähe befinden. Meerluft und Holzhäuser vertragen sich nur bedingt. Sonne, Salz und Regen tun ihr Werk.

Die alten Steinhäuser stammen meist aus der Kolonnialzeit und fristen das Dasein schwer zu pflegender Altbauten. Im unteren Bild sieht man unsere Unterkunft, die direkt an der Hauptstrasse lag, und uns ein Gefühl gab, das den Anfangssequenzen von “Apocalypse now!” entsprach. Nachts lag man flach ausgestreckt auf dem Bett, schwitzte vor sich hin, hoffte auf einen Sturm, der vom Meer herkommen sollte oder sonst irgendeiner Abkühlung, die natürlich nicht kam.
Kam Regen, dann war es ein Wasserfall, dicht, laut, in Strömen, die alles wegspülten und jeden, der es wagte, dann auf die Straße zu gehen, fast erschlug. Solche unglaublichen Mengen Wasser, die innerhalb von Sekunden auf einen einprasselten, erlebte ich bisher nur in Louisiana, wo wir den Wagen an den Straßenrand fahren mußten, weil der Regen uns jede Sicht über einen Meter unmöglich machte.
Wir wissen in Deutschland eigentlich gar nicht, was Regen wirklich ist :-)

Übrig geblieben aus der Kolonialzeit sind auch die Plantagen und Villen, die sich – teilweise als Museum, teilweise in Neubesitz – immer noch, häufig gut erhalten, überall finden. Barbados ist sehr attraktiv für vermögende Weltenbürger. Immerhin, wie gesagt, verfügt es über einen internationalen, gut ausgebauten Flughafen. Man warb mal eine Zeitlang damit, wie unproblematisch es theoretisch wäre, in Frankreich zu arbeiten, das Wochenende auf Barbados zu verbringen und ein kosmopolitisches Leben zu führen. Ist wahrscheinlich heute, wegen der Klimaerwärmung etc. eher politisch unkorrekt damit zu werben, obwohl ich mir sicher bin: Es gibt bestimmt einige Leutchen, die das machen. Es finden sich nicht wenige Anwesen, die sich mit prominenten Namen schmücken dürfen. Ich habe gestaunt, aber werfe sowieso alles durcheinander,und werde es daher nicht wagen, auch nur einen Namen zu nennen. Nee, nee.

Und zuletzt, damit niemand glaubt, er käme dort an der Welt, wie er sie kennt, vorbei: Auch das ist Barbados. Auch das findet sich dort, und die Welt ist also vollkommen in Ordnung. :-)


(Photo by Suse)

08.05.07

Archaic: ca. 1990

Archaic, Photos

Snap fand ich richtig gut, Technotronic auch, aber das gab ich nicht zu. MC Hammer erreichte mich genauso wenig wie Mariah Carey, aber “Janie´s got a gun” von Aerosmith hat heute noch was,und “Black Velvet” war zwar irgendwie ein fakiger Blues, aber die Stimme konnte man gelten lassen. Tagsüber schob ich Amigas und Amstrads über die Theke für Kunden, die den Kram neben dem Salatkopf und der Frischmilch in den Wagen legten. Viele Jahre später hieß der Laden Wal-Mart, aber da war ich schon lange nicht mehr dort, besuchte das Ding nur noch zweimal und war komisch berührt. So war das.

Ich hatte eine alte Schreibmaschine, einen Commodore PC 1, einen Fernseher, den wir “Augentod” tauften und eine Tapete, die mir beim nächtlichen tapezieren den letzten Nerv raubte. Das sah man ihr dann auch an.

08.05.07

Archaic: Barbados 1999 (pt.1)

Archaic, Photos

Zuerst einmal: Es ist wahnsinnig einfach sich in Barbados zu verlieben. Die Insel hat alles, was man sich wünscht. Diese komplette Leinwand, wie man sie aus der Barcadi-Werbung kennt. Menschenleere Strände. Rosafarbener Muschelsand. Tropische Wälder, Sonne, wolkenloser Himmel, Blick bis zum Meeresgrund, Schildkröten und einfach die ganze Palette, die dazu gehört.

Die Tankstellen sind riesig, die Häuser klein. Die Wärme vergeht nie, und wer ohne Klimaanlage lebt, der reißt alle Fenster auf, lebt quasi auf der Straße, auf dem Balkon oder auf dem Dach. Die LKWs rasen morgens mit einem Geschepper über den Asphalt, als wollte sie ihren Kram in deinem Schlafzimmer abliefern und die kleinen Transportbusse schunkeln in einem Affenzahn von Haltestelle zu Haltestelle .Einmal in der Woche trifft man sich zu einem Open-Air-DJ-Abend am Fischmarkt, wiegt sich im Bass und isst den besten Fisch seines Lebens.

Das Leben scheint einfach, aber das Fleisch kommt aus Neuseeland, der Käse auch, die tropischen Früchte sind wahnsinnig teuer, die Ananas kostet mehr als im deutschen Supermarkt, und am Strand gibt es diese fiesen kleinen Flöhe, die ich bis dato nicht kannte, aber vor denen ich mittlerweile einen Heidenrespekt habe. Die Bisse verfolgen einen über Tage, Monate, Jahre und ich glaube, ich werde sie nie wieder vergessen.

Der Reggae war schon damals diese begehrenswerte Mischung aus HipHop und Ragga, die uns hierzulande erst Jahre später erreichte. Lauryn Hill war  wahnsinnig in, kündete ein Konzert auf einer Nachbarinsel an und ich hörte tagelang nichts anderes als aufgeregte DJs, die unglaublich begehrte Karten über alle Inseln streuten.

Fuhr man mit einem dieser kleinen, privaten Busse, dann war man eingequetscht zwischen den Frauen, die zu irgendeinem Markt wollten, den alten Heeren, die fast überall auftauchten und schweigend agil unterwegs waren, so wie den Jungs, die sich ganz aufgeregt mit den drei Leuten auf der vordersten Bank unterhielten. Einer davon war meist der Fahrer, daneben seine Freundin, um der wiederum der beste Freund den Arm gelegt hatte. Das Ding fuhr, die Musik brüllte Dancehallbotschaften, die Straße wandt sich und irgendwann tauchte eine Hand auf, die schweigend das Entgelt für die Fahrt forderte.

Ich mochte das, ich kapierte zwar gar nichts, verstand in der Regel nicht mal die Hälfte, und hatte Mühe rechtzeitig in den Bus zu springen und ihn in dem Höllentempo wieder zu verlassen, aber es funktionierte alles beeindruckend gut. Wir kamen überall an.

Landwirtschaft scheint es – mal abgesehen von dem Zuckerrohr, das einer der Hauptwirtschaftszweige ist (Rum!) – in der Ausprägung, wie wir sie gewohnt sind, nicht zu geben. Zu den unglücklichen Kolonialzeiten, von denen noch die Anwesen zeugen, ,muß es einiges mehr davon gegeben zu haben, aber heute wirkt es als ob alles importiert wird. Dennoch sieht man überall Affenbrotbäume, deren Früchte überreif an den Ästen hängen oder auf den Straßen zerplatzen. Kochbananen sind sehr beliebt und es gibt einen bitterer Sirup, der mit Wasser versetzt eine Art regionales Erfrischungsgetränk ist, das ich sehr vermisse.

Kühe sind vereinzelt vorhanden, obwohl Milchprodukte ebenso wie Fleisch aus Neuseeland in den Regalen liegt, und Ziegen scheinen irgendwie überall zu sein, wo jemals Schiffe Land erreichten.


08.05.07

Archaic: Graffiti 2001

Archaic, Graffiti, Photos

2001 fotografierte ich einige Graffitis in Karlsruhe. Dieses und ähnliches Material, das im Archiv schlummert, keinen weiteren Zweck erfüllt und immer nur dann gefunden wird, wenn es gerade mal neu organisiert wird, fließt nun in eine archäologische Kategorie ein.

Den Anfang machen einige Graffitis, die einen Sommer lang die Günther-Klotz-Anlage bereicherten.


Der schwarze Rand (dieses Breitwandformat) war damals ein analoger Kameragag, der die Optik oben und unten beschnitt. Ich fand das, da ich noch total unbeleckt von Photoshop war, sehr interessant und nutzte es regelmäßig. Mehr werde ich dazu aber nicht mehr sagen. :-)


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