Voyeur !
Heidelberg, Karlsruhe, Privat
Bahnsteig. Karlsruhe. 6:54. Irgendein Zug hat immer Verspätung. Grant Morrisons Version von Superman in der Hand, die gute Anna Laube in den Earplugs und den Geschmack eines Lavazza Latte-Macchiatos als verschwommener Nachhall sehe ich eine junge Frau vorbeigehen.
Und weil dieses Wesen ein Gesicht aus einem Deja Vu trägt, dessen Spuren ich nicht mehr zusammenflechten kann, fällt sie mir auf. Sie bewegt sich mit dem stoischen Autismus eines geübten Menschen in der Einsamkeit durch die Menge der Wartenden.Und nur einem dieser seltsamen Zufälle ist es zu verdanken, das wir schliesslich fast nebeneinander sitzen.
Gran Morrisons Version seines Supermans ist die beste Interpretation seit langem. Ich bin fasziniert von seinem schrägen, beiläufigen Witz, den er einfliessen lässt. So bemerke ich fast nicht, wie sie ein Blatt auf ihre Kniee legt, auf halbe DIN4-Grösse faltet, den Kopf senkt und es aufmerksam ohne eine Miene betrachtet.
Nach Karlsruhe ist der nächste Bahnhof Karlsruhe-Durlach. Pendler steigen zu. Ich sehe kurz von den bunten Zeichnungen auf und zu ihr hin. Sie hat sich nicht bewegt. Hält den Zettel fest, betrachtet ihn aufmerksam. Wenige Zeilen. Zwei drei, eingestreute handschriftlich Notizen. Sie wirkt müde. Gegenüber wird der Finanztest gelesen und in Untergrombach versenke ich Superman im Rucksack. Hole den Spiegel hervor. Lese was über Grass in Danzig, die Todespritze in den USA, den Winterschlaf eines Beutlers und bekomme eine Mail von Martin (Hallo und Guten Morgen!). Neben mir rührt sich nichts, die Finger verharren in gleicher Stellung auf dem Blatt, der Mund ist ein Strich, die Auglider sind leicht rot und wirken müde. Die Füsse stehen in gleicher Höhe auf dem Boden und die Haltung offenbart eine seltsame Konzentration , die nicht in Entspannung übergehen will. Ich schaue verstohlen auf das Blatt, dringe in ein Leben ein und mache mir fast Sorgen. Englisch. 15 Minuten sind mittlerweile vergangen, die Sonne ist aufgegangen, der Zug hat sich gefüllt und ihre Haltung blieb unverändert. Sie scheint mein neugierieges Bemühen nicht zu bemerken.
“Two Examples of Therapies of a….”
Ich schaue erschrocken in den Spiegel.
Verflixt, so fangen Thriller u. Schicksalsromane an.
(Fotografen sind Voyeure, die ihren Voyeurismus mit anderen teilen wollen.)
(Heidelberg ist gezeichnet durch seine medizinische
Universität. Es ist nicht ungewöhnlich junge Menschen überall mit
Texten anzutreffen in denen sich die unglaublichsten Wörter für die
unglaublichsten Sachen türmen.)
Powered by ScribeFire.
J.J.
Heidelberg, Karlsruhe, Privat, Soul & Mind
Das mit den eigenen Vorurteilen merkt man dann ziemlich schnell, wenn sich morgens das Klischee von einem Polizisten in dasselbe Abteil setzt. Groß, Lederjacke, schweres Schuhwerk, Bürstenhaarschnitt und natürlich Waffengurt.
Und dann holt er aus seiner verknautschten Sporttasche eine gebundene Ausgabe der “Ulysses” von James Joyce heraus.
Und liest sie.
Hier kommt die Maus..
Der Rest, Heidelberg, Karlsruhe
Aus einem Handymail an die freundliche Nachbarin...
Weisst du was seltsam ist? Wenn irgendein 40jähriger, schwerer Bürotyp mit Aktentasche in den Zug steigt, sein Handy die Mausmelodie spielt, er abhebt, man seine Frau deutlich hört, und sie am Schluss sagt”Mein Schatz, ich lieb dich”, während er schnell mit “Dito!” antwortet und das Handy zuklappt.
Tanz! Beweg dich!
Karlsruhe, Music
Es war wie jedes Jahr.
- Andreas, was ist den gut auf dem FEST? Was schaust du dir an?
- Na, ich werde mir auf jeden Fall die Ohrbooten ansehen, bei den anderen Sachen bin ich mir noch nicht sicher.
Link: sevenload.com
Sie wurden auf die Bühne gebrüllt. Sie wurden tatsächlich mit Rufen und Schreien und einer Stimmung, die von Anfang an auf ihrer Seite war, gefeiert. Manchmal ist es ganz erstaunlich.
Vor ca. einem Jahr stand ich (auf Anfrage durch die BNN) mit ein paar Fans in einer fast leer gefegten Durlacher Festhalle. Ich war komplett ahnungslos, hatte mir vorher die Webseite angesehen und mich hinterher gewundert, warum die wenigen Leutchen den Kram auswendig konnten. Ohrbooten-Fans behandeln jeden zweiten Song wie einen Hit. Sie singen mit, sie tanzen, sie springen, sie kennen alle wichtigen Textzeilen und lassen den, der bisher keine Ahnung hatte, ziemlich alt aussehen. So war das damals: Eine Handvoll verteilte sich um eine Bühne und der Platz für jeden Zuschauer betrug die Größe eines Einfamlienbades. Und während ich damals zu Beginn dachte, das es die netten Amateure aus Berlin sind, ging ich hinterher mit dem Gefühl hart arbeitende Profis gesehen zu haben, die einfach wissen, wie sie die Party in Schwung halten.
Link: sevenload.com
Und eine Party war es. Und von wegen Platz: Die Zeiten sind vorbei. Ein Ohrbooten-Konzert in Karlsruhe wird fortan ein enges, wogendes, wildes Ding sein. Erklärtes Ziel war es, den Regen ins Zelt zu holen. Oder zumindensten die Tropfen auf der Innenseite herablaufen zu lassen. Ziel erreicht.
Die BNN hatte damals meinen Bericht nicht gedruckt. Auch nicht schlimm, dachte ich, das Konzert war gut. Die Jungs waren klasse, also was solls? Im Folgenden hatte ich sowieso jedem , der es nicht wissen wollte, davon erzählt und manchmal reicht das ja auch.
Als Esti vor einiger Zeit von Ihnen berichtete, dachte ich noch, das es jetzt ein großes Jahr werden könnte, wenn sie schon durchs Web getragen werden. Na, scheint wohl geklappt zu haben. Im Grunde ein Act für die Hauptbühne, hielten sie die Spannung bis kurz nach 0:15 kontinuierlich an, steigerten sie und waren der gute Abschluss des Tages.
Normal wäre es, jetzt irgendeinen Vergleich zu bringen. Schreibt man über Konzerte, dann bemüht man das gekonnte Namedropping, um Kompetenz und Wissen auszustrahlen. Ohrbooten sind Reggae, Ska, feine Melodien, potentielle Sommerhits, gute Laune Musik und die Netten.
Und wer es verpasst hat, der ist halt einfach selber schuld.
(Ach, was solls:Hier ist noch ein Link für euch)
Link: sevenload.com
Nel! Die Ohrbooten kommen am 29sten Oktober nach Stuttgart! Kalendereintrag!
Mehr Stoff, mehr videos, mehr..überhaupt: Ohrbooten-Blog!
Am Atlantik.Vorbei :-)
Der Rest, Karlsruhe
Zwei dunkelhäutige, junge Frauen afrikanischer Abstammung sassen heute in der Straßenbahn. Sie waren ausgesprochen hübsch, gekonnt und angenehm gestylt.
Unterhielten sich auf deutsch.
Es waren die normalen Themen. Über die Arbeit. In der Boutique.
Irgendwann starrte eine aus dem Fenster und meinte: “Bei dem Internetcafe sind ganz viele, ist immer so.”
Die Straßenbahn fuhr am Karl-Wilhelm-Platz vorbei Richtung Durlacher Tor.
Beide sahen lachend aus dem Fenster.
“Da-eins-zwei”
Und die andere grinste “Was habe ich gesagt?”
Wir fuhren weiter.
Durlacher Tor.
Atlantik-Kino.
Vorbei.
“Jetzt kommt das RZ-KA Telefoncenter . Da sind auch wieder viele.”
Sie drückten sich gespannt an die Scheibe.
“Drei-vier-fünf”
“Und am Berliner Platz sowieso”
“Sechs-sieben-acht-neun”
“Na, zehn müssten es mindestens sein”
“Werden es. Dann bist du glücklich, oder?” Sie gluckste.
“Ja!”
“Na, dann schau doch mich an!”
“Du zählst nicht !”
Sie zählten weiter.
Kamen, glaube ich, auf zwölf und freuten sich.
Cr0c, Fox MC & Fischmudda – Meister 2008 (beat by diart)
Karlsruhe, Movie (Internet), Music
Ist ja ein fussballfreies Blog, und die Beflaggung in Karlsruhe, die vielen Auslagen zum Thema an jeder Ecke – das geht alles an mir vorbei. Auch über die Begeisterung von Stefko auf blognroll schmunzel ich meist nur, aber irgendwie macht es dann doch Spass, wenn die Jungs von der Liebe zu ihrem Verein rappen. Sowas hat immer irgendwie Charme.
Graffiti und Handycam
Graffiti, Handybild, Karlsruhe

Es gab mal eine Zeit, da wollte ich Graffiti und Streetart in Karlsruhe dokumentieren. Ich fing damit an, und einiges fand sich dann auch in diesem Blog, aber ich hörte sehr bald damit auf. Da ich einen großen Teil meiner Mittagspause wieder an der Alb verbringe, und meistens nur das Handy dabeihabe, dachte ich mir: Ach, was soll es, schaden kann es nicht, wenn ich rein zur Doku wenigstens hin und wieder einige Bilder mitnehme.
Ich fand den Stil des obigen Künstlers auf dem Foto sehr interessant. Bisher kannte ich noch nichts vergleichbares.


