Sam Raimi, Sony, Disney und Marvel
Der Rest, Movie (Cinema)
Vor einiger Zeit hat Disney Marvel aufgekauft. Ob Disney wirklich der richtige Käufer für die mittlerweile wieder sehr experimentell agierende Superhelden-Community ist, darüber mag man geteilter Meinung sein. Wahrscheinlich wäre DC der bessere Deal für Disney gewesen, aber das Thema ist durch und man darf gespannt sein,wie es weitergeht.
Sam Raimi ist raus aus dem nächsten Spiderman-Film, Tobey Maguire auch (hier mehr). Sam verfilmt jetzt bedauerlicherweise “World of Warcraft“, was bestimmt an James Camerons Avatar erinnern wird, und wohl einer der Filme ist, die jetzt schon von der “must-seen”-List gefallen sind. Und Tobey wird vielleicht der kleine Hobbit oder sowas. Was weiß ich.
Das ist alles nicht sehr schlimm, denn es sowohl der “Ring der Nibelungen“, wie auch “James Bond” wechseln regelmäßig die Regisseure, und auch wenn es bei beiden Veranstaltungen hin und wieder Tiefschläge gibt, so bleibt es nicht dabei, denn die Höhepunkte tauchen genauso auf. Das haben Reihen so an sich, das sie weitergereicht werden, Hauptdarsteller wechseln, das muß nicht schlecht sein.
Sam Raimi ist ein Fanboy. Es gab mal Zeiten, da wurden Comicverfilmungen von Menschen gemacht, die keine Comics lasen und dieses auch ganz locker vertraten. (Kevin Smith hat mal entsetzt auf einem Vortrag über die ersten Folgen der Batman-Verfilmungen berichtet). Sam Raimi war da anders, er wollte das Spiderman eben jene Dynamik hatte, die auch in den Comics gepflegt wurde. Akrobatik, wilde Kamerafahrten, das stimmte alles. Ebenso die Tragik und Dramatik der Geschichte, die einfach darauf beruht, das in Peters Leben alles, wirklich alles schief geht. Arbeitslosig- und Obdachlosigkeit, sowie ständige Geldnot sind in den Comics Peters Begleiter. Mal ganz abgesehen von den Folgen, in denen sein verwirrendes Privatleben im Vordergrund steht und die Spinne im Hintergrund.
In den Comics hat sich viel gewandelt in den letzten zehn Jahren. Zwischen Tarrantino und der Manga-Welle konnte sich Marvel manchmal nicht so recht entscheiden, ob sie lieber kindlicher oder ernster werden wollten. Wenn sie ernster wurden, dann fraß der Hulk schon mal Leute, wenn sie kindlicher wurden, dann sahen die Superhelden aus wie Tokio Hotel oder Cosplayer auf Acid. Eine Variante von Marvel war, einen kompletten Reboot ihrer Serien vor einigen Jahren anzuleiern, und parallel zwei verschiedene Ansichten der X-Men, Spidermans und der Rächer zu pflegen. Die Rächer waren ernsthaft bis zum Abwinken, Spiderman entsprach mehr einer Highschool-TV-Serie und feierte seine Erfolge durch den pubertären Charme des Helden. Sie nannte diese parallele Welt mit den ähnlichen Helden das “Ultimative Universum“. Und pflegten beide – die klassische, wie auch die ultimative Welt – akribisch. Berühungspunkte wurden weitgehend, bis auf wenige verstörende Ausnahmen, zwischen den Universen vermieden. Nach ca. 10 Jahren und dem Lauf der klassischen Serie neben der (“ultimativen”)Serie machten sie das “Ultimative Universum” einfach mal platt, killten ca. 80 % ihrer beliebten Helden und hinterliessen ein Chaos, das einige Fans in ein Trauma stürzte. Der Grund waren die zu großen Überschneidungen beider Varianten und die Tatsache, das stilistisch manchmal die Unterschiede zwischen dem klassischen und dem “ultimativen Universum” verwischt wurden.
Was man sagen kann: Kommerziell verwertbarer, kindgerechter war der High-School-Spiderman von 16 Jahren, der mit Mary Jane Watson keusch rumturtelte, von seiner Klasse gehänselt wurde und weit entfernt war von dem Hin-und-Her aus Heirat, Lehrerdasein und finanziellen Problemen eines Menschen, der sich mit Teilzeitjobs über Wasser hält, die ihn mal zum Reporter, zum Hausmann oder Wissenschaftler machen. Dramatischer, tragischer und schlüssiger war die Erwachsenenvariante auf die Fanboy Sam Raimi immer weiter zu steuerte. Jener klassische Spiderman also, der mit seiner Kraft hadert, der seine Kindheitstrauma rumträgt, und auch mal spektakulär Abschied nimmt, oder aber dessen Tante in der “Tafel” arbeitet und somit mehr und mehr den sozialen Verfall in der amerikanischen Gesellschaft zum Thema hatte.
Während man bei den ersten Verfilmungen, die sich mit der Ultimativen Serie sogar stellenweise in Cameo-Effekten trafen, immer den Eindruck hatte, man wollte ein junges Zielpublikum ansprechen, hatte man bei dem letzten Spiderman-Film den Eindruck, hier sollte sehr schnell eines der düstersten Kapitel und eine Garnison an Superschurken abgehandelt zu werden um einen Sprung in die Erwachsenenliga voll Selbstzweifel und Verwicklungen zu schaffen.
Nun ist Sam draußen. Kein Spiderman mehr von ihm auf absehbare Zeit. Mit Sony gab es scheinbar größere Differenzen, und die ganze Serie soll einen Reboot erleben d.h. wir fangen nochmal an. Ganz anders, tief in der Pubertät, nochmal mit 16, nochmal Händchenhalten, nochmal Bangen, nochmal Spinnenbiss…
Und man fragt sich, was war so falsch daran, was soll hier vermieden werden. Glaubt man den aktuellen Berichten von heute morgen, so sollte der Geier eingeführt werden, eine Gestalt, die alle Aspekte eines Anti-Helden erfüllt. Der Geier war ehedem eine reine Cartoonfigur, beflügelt, glatzköpfig, Hakennase, ist aber mittlerweile alt, störrisch, und teilweise eher aus wirtschaftlichen Gründen wie unbezahlte Krankenhausrechnungen auf krimineller Beutetour. Er ist zu einem Charakter heran gereift, aber keine wirkliche Actionfigur, sondern eher eine doppeldeutige Gestalt. Laut den Gerüchtend, war das für Sony kein echtes Merchandising-Geschäft, zu unattraktiv, zu wenig dynamisch. Geht man nach dem , was nun verbreitet wird, so haderte Spiderman am Schluß von Sams Drehbuch mit seinem Leben und sollte seine Maske in einer Mülltonne zurücklassen (Letzte Blende).
Da es diese Szene gab und sie auch heute häufig auf Cover zitiert wird, und ein entsprechender Beitrag in der Historie ist, zeigt sich wieder wie tief Sam geneigt war in die Geschichte und das Bild dieser Figur einzusteigen. Um so unverständlicher ist, das Sony eine komplette Abkehr möchte, die zurückführt in jene Welt, die dem untergegangene “Ultimativen Universum” gleicht, aus dem Marvel gerade zu entkommen sucht.
In der ganzen Sache wird Disney augenblicklich nicht erwähnt. Seltsamerweise.



