Wie gesagt, ich vergesse das sowieso sonst, also schnell hingeschrieben:
Wer wissen will, was man so gegen deutschsprachige Literatur haben kann, der lese einfach mal “Sara tanzt” von Erwin Koch . Unheimlich geheimnisvoll, verwirrend in einer Nebenrealität, verquast, metaphorisch bis dorthinaus und überhaupt mit einem nervenden Plot, der irgendeiner Männerphantasie entspringt, auf die ich jetzt echt nicht eingehen will. Was für ein Ärgernis doch ein Buch sein kann, wenn es so bemüht daher stakst, und auf der ersten Seite im Brustton der Überzeugung zu verkünden sucht: Ich bin Kunst. Oder nicht? Gottogott. Nein, nein, nein.
Franziska Gerstenberg erzählt in “Wie viel Vögel” so lakonisch und spröde von Nebensächlichkeiten, das man Teile der eigenen Biographie erkennt und ganz verwundert ist, wie jemand sich so daran erinnert, dieses so zu schätzen vermag und daraus etwas formt, das man eher fühlt als wirklich als Geschichte begreift und dennoch das Ende durchaus versteht. Es gäbe bestimmt kein anderes Ende. Wenn man es sich richtig überlegt. Jugendliches Zeug, das altersweise, distanziert mit einer unheimlichen Nähe erzählt wird. Komische berührende Sachen, die etwas von Kleinmädchenfotografien und versoffenen Abenden in glücklichen WGs haben. Seltsam, aber auf jeden Fall so sympathisch, das man es weiter empfehlen möchte, um dann hinterher zu hören, wie denn der andere das fand.
Wenn jemand ein Erzähler ist, dann Heinrich Steinfest in “Mariaschwarz”. Der erzählt wirklich gerne, der schweift ab, der spielt mit Wörtern, der hat Humor, der ist angstfrei, der kapiert Kunst und will sie nicht machen, sondern einfach eine Ecke nehmen, hinter der noch keiner gesehen hat. Den liest man gerne, weil man merkt, das hier jemand sein Handwerk kann, Spaß daran hat und sich auf den Nebenwegen verirren könnte. Lustige Geschwätzigkeit wäre zu harmlos. Er hat eine Meinung, ist ein Menschenfreund, liebt die Liebe, und gemordet wird in diesem Krimi auch, aber irgendwie anders, nebenher oder eher ungern. Es geht auch nicht unbedingt um Aufklärung, doch die ist nicht nebensächlich, jedoch darf das Leben rätselhaft sein und ich habe im Grunde genommen keinen Schimmer, was der da geschrieben hat, aber ich möchte alles von ihm lesen. Der kann schreiben. DER KANN SCHREIBEN! (Ich bin neidisch).
Share on Facebook